„Mama’s wahres ICH“

„Mama’s wahres ICH“

Letztes Wochenende war ich als Katja, die Frau, die Wissensdurstige, die Unternehmerin, Schülerin und Gleichgesinnte unterwegs. Unterwegs bin ich gern. Egal, ob mit Familie, Freunden, Kollegen oder auch allein. Das bringt Abwechslung, Abenteuer und Neues in mein Leben. Ich mag das. Beim Wandern gehe ich auch gern Umwege, unbekannte Pfade oder nehme spontane Richtungswechsel vor. Und ich liebe es, neue Leute kennenzulernen. Das besondere an dem Wochenende war der Sonntag.

Ich hatte eine Verabredung mit mir selbst.

Eine ganz neue Seite von meinem Mama-Dasein. Wenn mir das vor 2-3 Jahren jemand vorgeschlagen hätte, wäre meine erste Reaktion wohl ein „Augenroller“ oder der Fingertipp am Kopf gewesen. Allein sein, so lange... langweilig... unnütz... überflüssig. Und die Kinder...? Wie soll ich das denn erklären, dass ich ohne sie fahren will? Und die Leute, mein Vater...? Die Sprüche wollte ich mir auch nicht antun. So in der Art habe ich gedacht. Aus heutiger Sicht - schön blöd Katja. Doch alles hat seine Zeit! Auch das Erwachen.

Nachdem ich mich am Samstag mit fünf wundervollen Frauen zum Erfahrungsaustausch in Rathenow getroffen habe und mir ganz schön der Kopf geraucht hat. War ich dann Sonntag mit mir zum Brainstorming und Chillen verabredet. Ich wollte mich treiben lassen. Zur Ruhe kommen. Raus aus dem Gedankenkarussel. Raus aus dem Verstand, hinein ins Herz

Am morgen hat mich das schlechte Gewissen dann doch heftig geplagt. Sonnenschein, Vogelgezwitscher, Frühstück an der Havel und das ohne meine Männer. Aber ohne deren Zustimmung wäre ich sicher nicht hier. Oder? Ach, das kann ich gar nicht sagen, denn bei uns kann jeder seine Wünsche oder Bedürfnisse leben. Wenn man sie denn kennt und ausspricht!!!

Tja, jedenfalls wollte ich mich schön an die Havel setzten und die vielen Eindrücke und Erkenntnisse der letzten Wochen für mich Revue passieren lassen. Leichter gesagt, als getan. 25 Grad, kurzer Rock, Top und hunderte von Mücken. Am Wasser ging das schon mal gar nicht. Also bin ich ins Auto, hab' wiedermal überlegt, ob ich nicht doch lieber Heim fahren sollte. Hab ja noch drei Stunden Fahrt vor mir. Aber nein - ich hatte ja eine Verabredung - mit mir.

Es lohnt sich, Zeit für sich selbst zu nehmen.

Darum bin ich gemütlich durch Wälder und kleine Dörfer gefahren, bis ich endlich ein schönes sonniges Plätzchen entdeckt habe. Ausgestattet mit Decke, Kissen, Wasser, Obst, Käse und Tomaten hätte ich den ganzen Tag dort verbringen können. Stifte, Blöcke, der Wind und die Vögel haben mich tatsächlich zu mehr inspiriert. Ich bin begeistert, was ich hier in drei Stunden geschafft habe. Kreativität braucht Raum, Zeit und Muße. Und all das hatte ich. 

Ich musste mich mal ordnen, neu sortieren, darum so weit weg von daheim. Je nachdem, was ansteht oder euch bedrückt, belastet oder stresst, es reicht schon eine halbe oder ganze Stunde raus aus dem Alltag. Einige werden zum Sport oder Yoga gehen, andere joggen oder suchen sich kreative Hobbies. Alles gut, wunderbar und wichtig. Doch Zeit mit sich allein, beim NICHTSTUN, in Stille oder auch in Bewegung reinigt den Geist und bringt neue Ideen und Entscheidungen ans Licht. Versucht es, probiert euch aus. Nehmt euch die Zeit. Und fragt euch: „Was brauche ich jetzt?“ Ihr seid das wichtigste in eurem Leben. Ja ja, jetzt werden mich einige von euch steinigen wollen und aufschreien: „Nein, das sind meine Kinder.“ Sicher, ich bin auch Vollblut-Mum. Doch die Stewardess im Flugzeug sagt nicht umsonst „erst die eigene Maske auf...“